Industrielle digitale Ökosysteme: Die vierte industrielle Revolution?

Mit all den neuen Schlagworten wie IIoT, IoP, IoS, digitale Fabrik, digitaler IQ, digitale Ökosysteme, CPS, dreidimensionale Big Data Analysis usw. wird von Regierungen, großen Beratungsfirmen, Branchenexperten und Wissenschaftlern viel Wirbel um Industrie 4.0 gemacht, und es heißt, dass „wir vor einer vierten industriellen Revolution stehen“ (daher der Begriff Industrie 4.0). Und je mehr man darüber liest, umso verwirrender wird es.

Wenn man sich das alles aber praktisch anschaut und sich nicht von den Begriffen durcheinanderbringen lässt, verfügt die Produktion jetzt über Entwicklungsmöglichkeiten, die ohne Digitalisierung unvorstellbar wären. Einfach ausgedrückt könnte man es so formulieren, dass es um die Verbindung aller digitalen Informationen und Automationsmöglichkeiten geht, die es innerhalb eines Unternehmens und für ein Unternehmen gibt.

Theoretisch kann ein Kunde zu Hause oder in seinem Büro sein eigenes Hemd direkt über die Internetseite eines Online-Händlers zusammenstellen, sowohl was die Passform als auch das bevorzugte Design anbelangt. Er kann seinen eigenen Stoff online aussuchen, die Musterung nach seinen Wünschen anpassen und kann sich dann virtuell und dreidimensional ansehen, wie das alles für seinen Körperbau und seine Größe passt. Beim Hersteller können die Muster automatisch ausgesucht und angeglichen werden, damit sie für diesen Auftrag passen. Die Schnittlage kann maschinell eingezeichnet werden. Greigefarbiger Stoff wird automatisch vom Lager abgerufen, einem Digitaldrucker zugeführt und dann direkt an eine automatische Zuschneidemaschine weitergeleitet. Die zugeschnittenen Teile können zwischen den Arbeitsschritten mittels eines automatischen Abwicklungssystems bis zum Versand des Kleidungsstücks verschoben und überwacht werden, wobei die Herstellungsanweisungen direkt an die Maschine oder das Bedienpersonal gehen. Der Versand lässt sich über alle Stufen bis zur Zustellung überwachen.

Im stationären Einzelhandel kann das Unternehmen mittels RFID oder einer ähnlichen Technologie erkennen, wie oft eine Kleidergröße, Farbe oder ein Modell ausgesucht, anprobiert, gekauft und zurückgegeben wurde. Der Kunde kann automatisch über andere, vorrätige Modelle informiert werden, die gut zu seinem Kleidungsstück passen würden. Es gibt Zugriff auf die gesamte Produktionsgeschichte, vom Stoffballen und Lieferanten bis zu jedem beliebigen Arbeitsschritt. Die produktivsten Verkaufsbereiche in einem Laden können automatisch beurteilt werden, genauso wie die wirkungsvollste Warenpräsentation. Die Verkaufsanalyse gibt Aufschlüsse für die Sortimentsplanung, die Bestandskontrolle usw.; Wiederbeschaffung, Neubestellungen und vieles mehr werden automatisch ausgelöst. Durch die Verbindung der Systeme mit den Lieferanten können die Nutzer genau verfolgen, wie ihre Bestellungen im Lieferantensystem vorankommen und in ihren Aufträgen Prioritäten setzen.

Das alles ist dank der digitalen Entwicklungen möglich, und angesichts der exponentiellen technologischen Entwicklung ist ziemlich klar, dass sich jedes Unternehmen seine Systeme, Methoden und Vorgänge kritisch ansehen und herausfinden muss, was jetzt und in absehbarer Zukunft möglich ist, was nützlich ist, was nützlich sein würde, und muss dabei sowohl ganzheitlich als auch unkonventionell denken und seinen Betrieb entsprechend umgestalten, um zu einem “echten digitalen Unternehmen zu werden, in dem physische Produkte den Kern bilden, die durch digitale Schnittstellen sowie datenbasierte und innovative Dienstleistungen erweitert werden. Diese digitalen Unternehmen werden mit Kunden und Lieferanten in industriellen digitalen Ökosystemen zusammenarbeiten”, wie es bei PwC heißt.

Um das zu erreichen ist klar, dass alle Systeme, Maschinen und Technologien als Ganzes betrachtet werden müssen, die zusammen und integriert arbeiten, um die gewünschten Ziele zu erreichen. Die beste Möglichkeit dafür ist, wenn alle diese Systeme, Maschinen und Technologien an einem Ort gezeigt werden, und wenn die Fachleute, die sie entwickeln, anpassen und ändern, ebenfalls zur Stelle sind. Diese Plattform liefert die Texprocess, die vom 9. bis 12. Mai 2017 von der Messe Frankfurt GmbH auf dem Messegelände in Frankfurt am Main veranstaltet wird.

Autorin: Niki Tait

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