Die Industrie steht hervorragend da

Wie hat sich die Leder- und Bekleidungs-technik entwickelt? Und welche neuen Spitzentechnologien können wir auf der Texprocess erwarten? Wir sprachen mit Elgar Straub, Geschäftsführer des VDMA.

Wie sehen Sie die wirtschaftliche Entwicklung und Innovationskraft bei Ihren Mitgliedern?

Elgar Straub, VDMA

Elgar Straub, VDMA

Die deutschen Hersteller von Bekleidungs- und Ledertechnik stehen äußerst stabil da. Der Auftragseingang lag für den Zeitraum Januar bis August 2014 bei real +15 % im Vorjahresvergleich. Damit ist unsere Branche auch im Verhältnis zu anderen Maschinenbau-Branchen ganz vorne mit dabei. Wir sind stark exportgetrieben, auf den Weltmärkten sind unsere Produkte gefragt. Wobei das auch für die Wettbewerber gilt. Vor allem Japan entwickelt sich gut, China hinkt etwas hinterher, weil es qualitativ nicht so hochwertige Maschinen herstellt. Europa gewinnt immer mehr Wettbewerbsvorteile, weil es sehr innovationsgetrieben ist.

Überall auf der Welt steigen die Löhne und gleichen sich zusehends an. Das ist ein Grund, warum immer effizientere Maschinen gefragt sind. Außerdem werden die Reaktionszeiten vom Design bis zum Ladentisch immer kürzer. Besonders in Italien, Osteuropa, Mittel- und Südamerika steigt der Bedarf an modernen Maschinen ständig. Gute Märkte in der Bekleidungsindustrie sind im Moment außerdem die USA und Indien. Auch die Automobilindustrie wird stark modernisiert in Amerika.

Können Sie einzelne Segmente oder Gruppierungen hervorheben?

Nehmen Sie die Mode, da lässt es sich am besten beobachten. Die Saisons werden immer kürzer, die Lieferzyklen immer schneller und der Trend zur Individualisierung stärker. Das gilt im Übrigen aber auch für technische Produkte wie Autos und Möbel. In der Folge heißt das, dass die Losgrößen immer kleiner werden. Die Hersteller von Bekleidungs- und Ledertechnik reagieren darauf mit flexibleren, schnelleren, moderneren Maschinen.

Außerdem ergeben sich ständig neue Herausforderungen in der Fertigung beispielsweise durch neue Stoffe. In der Mode wird das besonders schnell angenommen. Dasselbe gilt für Funktions- und Schutzbekleidung. Auch hier entwickeln sich Materialien und Technologie ständig weiter.

Die Individualisierung nimmt in allen Bereichen zu. Schuhe sind ebenfalls ein großes Thema. Bald werde ich mir online Sportschuhe in einer bestimmten Farbkombination mit einer speziellen Sohle bestellen können, die nach meinem Auftrag gefertigt und mir innerhalb kürzester Zeit nach Hause geliefert werden. Amazon, Zalando und Co. haben den Markt komplett umgekrempelt.

Was werden die wichtigsten Innovationen und Weiterentwicklungen sein, die uns auf der Texprocess erwarten?

Es gibt zwei Dinge, die die Branche bewegen. Das eine ist zusammengefasst unter dem Begriff „Industrie 4.0“ und das andere, daraus folgende Thema ist Nachhaltigkeit. Wir sind auf dem Weg zur Serienproduktion mit Losgröße 1. Alles wird digital erfasst und gesteuert. Intelligente Maschinen kommunizieren während der Herstellung mit den Produkten über integrierte RFID-Chips. Hier kann es sich um Informationen über den Stoff, die Materialzusammensetzung oder Herkunftsland handeln.

Je mehr Parameter bekannt sind, desto energie- oder dampfsparender kann beispielsweise das Bügeln geschehen. Insgesamt verbrauchen die Maschinen immer weniger Energie, beim Produktionsvorgang wird Wasser gespart und es wird weniger Abwasser produziert. Alles wird digital genau vermessen und präzise eingesetzt, beispielsweise auch Chemikalien bei Printprozessen. Das schont die Umwelt. Und was die Umwelt schont, schützt auch den Menschen.

 

Marc Chalupsky

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