Architekten der Digital Textile Micro Factory

„Hier haben wir jetzt eine flexible Prozesstechnik, in der die vielfältigen Partnerlandschaften gut verdrahtet sind“, beschreibt Christian Kaiser die smarte Fabrik. Doch bis so etwas funktioniert, bedarf es vorher definierter Schnittstellen und eines guten Plans.

Kaiser arbeitet als Research Assistant für Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung Denkendorf und hat zusammen mit mehreren Firmen die Microfactory komplett vernetzt. Er und sein Team verstehen sich als Systemarchitekten.

„Als erstes muss man sich überlegen, was ich wann und in welcher Form brauche“, sagt Kaiser. „Man muss ein gemeinsames Verständnis der einzelnen Player schaffen, um die Herausforderung, dass alles kommuniziert, angehen zu können.“ Fragen sind: „Wo sind die Knackpunkte, was ist mein Beitrag?“ Relativ leicht kann Design, Druck und Schnitt verbinden, danach wird’s schon schwieriger. „Das Nähen ist noch nicht voll automatisiert, deshalb gibt es auch noch keine festen Kopplungen, man muss einzelne Schnittstellen finden“, so Kaiser. Die anschließenden Connections laufen wieder problemlos. Dürkopp Adler hat mit seinem System qondac networks bereits eine Möglichkeit geschaffen, bis zu 1500 Maschinen untereinander über „plug and play“ zu verbinden. „Das lässt sich leicht anflanschen“, bestätigt Kaiser.

Roboter gibt’s hier nicht zu sehen. „Die sind nicht nur nicht nötig, sondern auch zu teuer und bringen nicht genügend Output“, sagt Kaiser. „Ich kann mit einem geringeren Aufwand und kleineren Umstellungen mehr erreichen.“ Die große Hoffnung ist, dass Linien, die gut überwacht profitabel laufen, auch Arbeitsplätze schützen oder sogar neue bringen. Wenn Lohnkosten kein Thema mehr sind, wird Deutschland als Produktionsland wieder attraktiv, Zeit und Kosten für den Transport fallen hier weg. Kaiser: „Industrie 4.0 sieht nicht zwangsweise Roboter vor. Denken Sie nur an leicht fließende Materialien, die können Menschen deutlich besser verarbeitet. Man kann sich Industrie 4.0 also auch mit vorhandenen Mitteln nähern. Richtig kombiniert bringen sie entscheidende Kenntnisse über Auslastung und Wartungszustand, anzupassende Schichtpläne und vieles andere mehr.“

Kirsten Rein

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