3D CAD: In der Bekleidungsproduktion angekommen?

In der heutigen Welt der vielen Kollektionen, internationalen Produktionen und kurzen Markteinführungszeiten ermöglichen moderne 3D CAD -, PLM- und Cloud-Lösungen neue Arten der integrierten Produktentwicklung. Heute geht es um 3D CAD.

3D CAD, das üblicherweise in der Automobilbranche, in der Flugzeugtechnik und in vielen anderen Industriebereichen Eingang gefunden hatte, hielt auch Einzug in der Bekleidungsindustrie. Heute ist man in der Lage, nicht nur ein Kleidungsstück an einem statischen Avatar (virtuelle Figur) nach eigener Wahl zu entwerfen, sondern kann auch feststellen, wie der Entwurf mit nahezu allen Stoffen aussieht, passt und fällt, sogar mit Hilfe eines gehenden oder gar Rad fahrenden Avatars.

3D CAD ist für die Bekleidungsindustrie erwachsen geworden. Dies überrascht nicht, wenn man die sich daraus bietenden enormen Wettbewerbsvorteile berücksichtigt: Man muss sich nur vorstellen, wie ein Kleidungsstück über einen kompletten Größenbereich aussieht, fällt und passt, ohne ein Muster anfertigen zu müssen und sogar bevor ein Stoff angefertigt wurde. Wenn man in der Lage ist, unterschiedliche Farben, Stoffe, Motive, Strickmuster, Verschlüsse und Verzierungen auszuwählen und zu sehen, welche davon in der Wirklichkeit am besten aussehen. Stellen Sie sich weiter vor, wenn man all dies mit den Händlern, Technikern, Lieferquellen und Kunden auf der ganzen Welt erörtern kann, bevor ein Muster erstellt wurde. So kann man einen virtuellen Bereich aufbauen und Lager sowie Kataloglayouts planen, bevor ein Kleidungsstück zugeschnitten wurde. Die Produktentwicklungszeit und anfallenden Kosten verringern sich.

Die Druck- und Schwimmbekleidungsindustrie hat ebenfalls gelernt, wie man unter Verwendung eines die Sportart ausübenden virtuellen Avatars die tatsächlichen Belastungen und Beanspruchungen sichtbar machen kann. Die Größen und Formen des Avatars lassen sich auf dem Bildschirm ändern und ermöglichen es so dem Nutzer, eine virtuell unbegrenzte Anzahl von Körperformen zu schaffen, indem man Größe, Umfang, Muskelmasse und Dutzende von weiteren Maßen anpasst.

Mike Elia von CEO Gerber Technology sagt: „Das dreidimensionale Verfahren ist eine umwälzende Technik und bietet eine breite Anwendungspalette. Es hat Auswirkungen auf den kreativen Entwicklungsprozess von Kleidungsstücken und auf deren Vermarktung und den elektronischen Handel.“

Kurt Salmon, als Management-Consulting-Firma spezialisiert auf die Handelsbranche und die Verbrauchgüterindustrie, meint: „Die Hauptvorteile liegen in der größeren Geschwindigkeit und in der Innovationswirkung. Die dreidimensionale Technik ermöglicht die schnellere Erstellung von Prototypen (virtuelle Produkte) als dies jemals möglich war und versetzt den Handel und die Hersteller von verpackten Gebrauchsgütern der Bekleidungsbranche in die Lage, besser auf Marktbedürfnisse zu reagieren. Unter dem Strich ergeben sich bessere Produkte.“

Der Texprocess Americas-Aussteller Tukatech sagt: „Die dreidimensionale Kleidungsentwurfs-Software beseitigt die Notwendigkeit von Anproben und Fehler bei der Erstellung von Mustern. Durch Erstellung von virtuellen Prototypen vor Anfertigung von Mustern lassen sich Entwürfe leichter ändern und auf diese Weise die Mustergenehmigungsprozesse erheblich abkürzen. Es besteht eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten von der Anpassung an kundenspezifische Anforderungen bis zur Erstellung fehlerloser Marketingdisplays.“

Diese neue revolutionäre Entwicklung macht jedoch nicht Halt beim Design, sondern umfasst eine immer anspruchsvollere elektronische Ära. Die Bekleidungsindustrie benötigt darüber größere Denkansätze seitens des Managements der Produktentwicklung über die gesamte Lebensdauer einer Kollektion. Hierzu sagt Tukatech: „Wir haben die billigen Arbeitsressourcen nahezu ausgeschöpft. Der Druck zur Reduzierung von Ausschuss besteht jedoch weiterhin. Alle Welt zitiert die gleichen Schlagworte: „Ich will es schneller, ich will es billiger“. Da in diesem Geschäftsfeld keine Margen verbleiben, sofern die technischen Verfahren nicht verbessert und umgesetzt werden, wird weiter geklagt und es wird sich nichts ändern.“

Bild oben: 3D Lösung von Optitex. Quelle: Optitex.

Marc Chalupsky

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